Im Zeichen von Corona – Das Rudi begeht seinen 2. Geburtstag als Europaschule

Am 23. April 2020 jährt sich die Ernennung des Rudi-Stephan-Gymnasiums zur Europaschule zum zweiten Mal.

Am 23. April 2020 jährt sich die Ernennung des Rudi-Stephan-Gymnasiums zur Europaschule zum zweiten Mal. Viele kennen diesen Begriff aus der Zeitung, von Aushängen am Schwarzen Brett oder hörten ihn bei festlichen Gelegenheiten. Aber was heißt es konkret, dass man Schüler/in an einer Europaschule ist? Wenn man den Begriff googelt, findet man als Definition etwa: Eine Europaschule ist eine Schule, die „gewisse Standards der interkulturellen Zusammenarbeit und der methodischen Innovation“ erfüllt. Damit ist man als neuer Rudi (oder auch als altgedienter, der sich erstmalig mit diesem Thema befasst) nicht zufrieden? Recht so. Dann lasst uns an dieser Stelle tiefer graben und diese „Standards“ und „Innovationen“ begutachten:


In unserem Leitbild, das man in jedem Klassenzimmer und auf der Homepage leicht findet, haben wir uns als Gemeinschaft die Bildung der ganzen Persönlichkeit und die Entwicklung einer europäischen Identität auf die Fahne geschrieben. Dafür wollen wir lernen und lehren. Das ist auch einer der Gründe, warum wir am Rudi viele verschiedene Sprachen – verpflichtend und freiwillig – im Stundenplan haben: Latein und Griechisch, Englisch und Französisch, Italienisch und Spanisch, Hebräisch und Chinesisch.
Mit diesen Sprachen und dank des unermüdlichen Engagements vieler Lehrer und Schüler sind internationale Begegnungen bei uns an der Tagesordnung. Dazu gehören Einzelaustausch-Programme mit Frankreich und den USA, Schulpartnerschaften im In- und Ausland, Kurs-, Klassen- und Chorfahrten, und insbesondere auch der jährliche Austausch der Klassenstufe 9 mit den Partnerschulen in Italien und im Elsass.


Wir möchten in diesen Tagen vor allem an die Schulen in Italien denken, die unter den Folgen der Coronakrise besonders stark leiden. Der heftige Ausbruch der Pandemie überraschte nicht nur die Italiener plötzlich, sondern auch uns. Am Rosenmontag dieses Jahres erhielten wir die Nachricht einer Lehrerin aus Busto Arsizio, die uns informierte, dass die Situation rapide schlechter wurde: „[…] Die Anzahl der Personen, die angesteckt worden sind, steigt […]. Leute sind gestorben und die Regierung trifft immer strengere Maßnahmen (Schulausflüge verboten, Museen geschlossen....). Die Panik hat sich unter den Leuten verbreitet und in den Supermärkten findet man schon fast keine Lebensmittel mehr! Wie in einem Film! Ich hatte noch nie so etwas gesehen! Da niemand weiß, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, haben die Direktorin der Schule und ich beschlossen, dieses Jahr auf den Austausch zu verzichten. Es tut uns wirklich sehr leid für alle Schüler, die Deutschen und die Italiener, die schon in Kontakt waren, aber wir sind überzeugt, wir müssen diese Entscheidung treffen. […]“ Hiernach wurden auch alle anderen Austausche mit Italien, Frankreich und der Schweiz sowie die Studienfahrten der MSS 12 ins europäische Ausland, die im Mai angestanden hätten, abgesagt.
Dies schmerzt als Europaschule besonders, da die kulturelle Begegnung zu unseren Kernzielen gehört. Dies kann kein noch so gut gestalteter Online-Unterricht ersetzen. Wir hoffen und beten, dass wir alle diese Krisensituation gut und gesund überstehen.


Die Ausgangs- und Kontaktsperren, die in Italien schon länger andauern und strenger geregelt und geahndet werden als in Deutschland, führten zu bisher einmaligen Debatten in der Geschichte der Bundesrepublik um Einschränkung der Grundrechte. Als Europaschule und auch als Modellschule für Partizipation und Demokratie steht in diesem Zusammenhang auch die Ausbildung eines politischen Bewusstseins im Fokus. Am Rudi sollen die Schülerinnen und Schüler nicht nur passiv etwas über Politik auf Bundesebene erfahren, sondern von klein auf aktiv spüren, dass Politik, Menschen- und Kinderrechte und Demokratie Teil ihres Alltags sind. Darum wird schon in Klasse 5 Rudis Klassenrat eingeführt, in Klasse 7 gibt es ein Klassentraining in Mainz, die Schüler der Jahrgangsstufe 10 führen ein Planspiel im Landtag durch und absolvieren ein Sozialpraktikum. Aber Demokratieerziehung ist nicht nur punktuell veranlagt: Die gewählte Schülervertretung, die Paten, die Rudi-Coaches, die Medienscouts, die Schulsanis, die Mitglieder der Schülerfirma im Umweltladen usw. – sie alle leben Demokratie das ganze Schuljahr lang. World-Cafés und Jugenddebatten, der Besuch des Demokratietags, die Feier zum europäischen Tag der Sprachen, Teilnahme an Wettbewerben und viele weitere regelmäßige, semi-regelmäßige und einmalige Aktionen tragen dazu bei.


Das Rudi-Stephan-Gymnasium ist am 23. April 2018 also nicht als Europaschule zertifiziert worden, weil es irgendeine Einzelaktion gab, um diesen Titel zu gewinnen, sondern das Rudi wurde offiziell zu einer Europaschule ernannt, weil in unserem Profil, in unserem Leitbild und in unserem Alltag all diese „Standards der interkulturellen Zusammenarbeit und der methodischen Innovation“ schon zu finden waren, die eine Europaschule ausmachen. Mit großem Stolz darf also jeder Rudi von sich behaupten: „Ich bin ein Europaschüler!“