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Die Krankheit vergessen lassen

Rudi-Stephan-Gymnasium spendet für den Wormser Wünschewagen

Mucksmäuschenstill ist es im Klassenraum, nachdem Dirk Beyer, der Projektkoordinator des ASB-Worms, den Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen des RSG einen kurzen Film über das ehrenamtliche Projekt des Wünschewagens zum Einstieg seines Besuchs gezeigt hat. „Das ist eigentlich immer so“, bemerkt Beyer in der Runde. Es sei ein besonderes Projekt, das vielen Menschen einen letzten Wunsch im Leben erfülle. Doch die Betroffenheit darüber, dass es sich bei denen, die diesen Wunsch haben, um Menschen handle, deren Leben kurz vor dem Ende stehe, sei verständlich. Dennoch sei gerade das ein Anliegen des Projekts, so Beyer: „Es möchte das Bild von sterbenden Menschen in unserer Gesellschaft verändern.“

Als Dirk Beyer wenige Minuten zuvor mit dem besonderen Krankentransportwagen auf den Schulhof des Rudi-Stephan-Gymnasiums rollt, scharen sich die Zehner des Rudi trotz Eisregens um das besondere Gefährt. Auf Nachfrage der neugierigen Schülerschaft erklärt Projektkoordinator Beyer, dass es sich dabei um einen besonderen Umbau eines „KTW“ handle. „Er hat im Unterschied zu den normalen Krankenwagen eine besser gefederte Trage und rundherum Fenster“, erklärt Beyer. „So können unsere Fahrgäste die besondere Wunschfahrt und die Landschaft auf ganzer Strecke genießen.“ Fahrgäste? Genau um die handle es sich: „Es sind für die Mitarbeiter keine ‚Patienten‘“, so Beyer, „denn wir wollen mit dem Wünschewagen die Menschen auf der Fahrt vor allem ihre Krankheit vergessen lassen.“

Die mittlerweile im trockenen und warmen Klassenraum angekommenen Schüler und ihre beiden Klassenlehrerinnen Franziska Gruber und Ursula Hartmann scheinen mit jeder Minute des Gesprächs glücklicher über ihre Wahl zu sein, 350 Euro für dieses wohltätige Projekt zu spenden. Das Geld wurde beim Begrüßungskaffee der neuen fünften Klassen zu Beginn des Schuljahres eingenommen und die zehnten Klassen hatten jenes veranstaltet. Die Spendenübergabe übernahmen sichtlich zufrieden Klassensprecher Anton Berger und Klassensprecherin Lovis Sieme. Ob es denn bei den Wünschen irgendwelche Grenzen gebe, lautete eine weitere der zahlreichen Fragen in der etwas anderen Schulstunde dieses Tages. Dirk Beyer konnte beruhigen: „Wir mussten noch keinen Wunsch ablehnen.“ Von rund dreißig Fahrten im ersten Jahr 2017 sei man über 40 im Folgejahr bei nunmehr 50 Fahrten 2019 angelangt. „Das ist fast jede Woche eine“, so Beyer. Die nächste Fahrt folge am Ende der Woche. Es gehe nach Plauen, ein letzter Wunsch eines Fahrgasts, noch einmal seine Heimat zu sehen. Es ist die 119. Fahrt des in Worms stationierten Busses insgesamt.

Zum Abschluss die Frage der Schüler, welche Fahrt in besonderer Erinnerung geblieben sei. Eigentlich so viele. Doch es gab die Fahrt eines älteren Herrn in einen Freizeitpark. Ohne obligatorischen Rollstuhl habe der den Tag nur mit Gehhilfe geschafft, so sehr habe er sich darauf gefreut. Und auch, wenn es das ersehnte Feuerwerk, der eigentliche Grund der Reise, nicht mehr wie früher gab: „Der alte Mann ist jedes Karussell und jede Achterbahn im Park mit seiner ehrenamtlichen Begleitung gefahren. Die Kraft, die er daraus für seine weiteren Tage gezogen hat, erlaubte es, die Dosis seiner Schmerzmittel drastisch zu reduzieren“, freut sich Dirk Beyer. Die Zehner des Rudi freut‘s auch. Gelöst endet das Gespräch, ganz im Unterschied zur Beklemmung des Anfangs, und die Spender des RSG strömen auf den Hof, um sich sich den Wünschewagen nun noch einmal genauer anzuschauen. Denn der Regen hatte sich – passend zum Verlauf der Stunde – verzogen.